Das WG-Leben ist mehr als eine pragmatische Wohnlösung. Es ist ein kleines soziales Experiment, ein Mikrokosmos der Gesellschaft – voller Reibung, Wärme, Chaos und überraschender Erkenntnisse.
Die WG als Miniaturgesellschaft
In einer WG treffen Welten aufeinander: Der gewissenhafte Bio-Student, der jede Bananenschale kompostiert, wohnt Tür an Tür mit der kreativen Chaotin, deren Zimmer wie eine Kunstinstallation wirkt. Die nachtaktive Barkeeperin begegnet dem frühaufstehenden Lehrer – und beide teilen sich dieselbe Küche.
Genau hier entsteht die wichtigste Erkenntnis: Wir sind richtig, wie wir sind.
Jeder bringt seine Geschichte, Eigenheiten und Routinen mit. Und niemand hat das Recht, andere zu erziehen oder zu korrigieren. WG-Leben funktioniert nur, wenn unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander bestehen dürfen.
Kommunikation, die verbindet
Die alte Regel „Ich-Botschaften statt Du-Botschaften“ wird in der WG zur Überlebensstrategie.
„Du lässt immer dein Geschirr stehen!“ erzeugt Abwehr.
„Ich fühle mich überfordert, wenn ich nach einem langen Tag noch alles spülen muss“ öffnet Türen.
Plötzlich geht es nicht mehr um Schuld, sondern um Lösungen. Ehrlichkeit schafft Verbindung – nicht Vorwürfe.
Warum Belehrungen Gift für die Gemeinschaft sind
Belehrungen stellen uns über andere. Sie signalisieren: „Ich weiß es besser.“ Doch WG-Leben zeigt schnell: Diese Haltung zerstört Vertrauen. Der Mitbewohner, der anders staubsaugt, lebt nicht falsch – nur anders.
Drei WG-Weisheiten fürs Leben
Akzeptanz vor Veränderung: Menschen verändern sich durch eigene Einsichten, nicht durch Druck.
Vielfalt als Stärke: Unterschiedliche Perspektiven bereichern – im Alltag wie in der Gesellschaft.
Kommunikation als Brücke: Wie wir etwas sagen, entscheidet oft mehr als der Inhalt selbst.
Die nächste Generation wächst nicht durch Belehrungen, sondern durch Vorbilder, Dialog und die Anerkennung: Deine Art zu leben ist valide – auch wenn sie nicht meiner entspricht.
Fazit
Die ideale WG – wie die ideale Gesellschaft – ist kein Ort der Gleichheit, sondern der Akzeptanz. Ein Ort, an dem Unterschiede nicht stören, sondern tragen. Und an dem wir lernen, „Ich“ zu sagen, ohne das „Du“ kleinzumachen.
Der Wohnungsmarkt verschärft Einsamkeit – und warum das ein Vermieterproblem ist
Der angespannte Wohnungsmarkt verstärkt soziale Isolation. Viele private Vermieter orientieren sich in erster Linie an der Gewinnmaximierung und vernachlässigen dabei Bedürfnisse wie gemeinschaftliches Wohnen oder langfristige Stabilität.
Dieser Beitrag zeigt, warum wir andere Vermieter brauchen – und welche Wege es gibt, ihr Verhalten zu verändern.
Warum wir andere Vermieter brauchen
Auf einem knappen Markt bekommt meist der Meistbietende die Wohnung. Private Vermieter verlangen im Durchschnitt höhere Mieten als gemeinwirtschaftliche Anbieter. Das trifft besonders Menschen mit geringem Einkommen und erschwert alternative Wohnformen.
Ein Rechtsexperte bringt es auf den Punkt: „Plakativ kann man sagen, dass der Kapitalismus an dieser Stelle versagt, denn im Sinne von Gewinnmaximierung kann man arme Bevölkerungsschichten nicht mit Wohnraum versorgen.“
Mietpreise nach Vermietertyp (Deutschland, 2022)
Vermietertyp
Durchschnittsmiete €/m²
Private Vermieter (gesamt)
7,2
Privatperson(en)
6,5
Privatwirtschaftliches Wohnungsunternehmen
7,7
Gemeinwirtschaftliche Vermieter (gesamt)
6,3
Wohnungsgenossenschaft
5,9
Kommune/kommunales Unternehmen
6,2
Gemeinwirtschaftliche Anbieter verfolgen nicht primär Profitziele. Sie können langfristig planen, sozialere Kriterien anwenden und damit stabilere Nachbarschaften ermöglichen.
Wie sich das Verhalten von Vermietern verändern lässt
Veränderung entsteht auf drei Ebenen: durch Politik, durch Recht – und durch die Mieter selbst.
Gemeinwirtschaftliche und soziale Anbieter stärken
Der wichtigste Hebel ist der Ausbau nicht-privater Wohnungsanbieter. Dafür braucht es politische Entscheidungen:
Neue Gemeinnützigkeit: Das abgeschaffte Modell des gemeinnützigen Wohnungsbaus soll wiederbelebt werden.
Kommunale Unternehmen stärken: Städte und Gemeinden sollten mehr eigenen, sozialgebundenen Wohnraum schaffen und erhalten.
Soziale Träger fördern: Vereine und Organisationen können Wohnraum für besondere Zielgruppen bereitstellen – oft kombiniert mit Betreuung.
Rechtliche Rahmenbedingungen nutzen
Mieter haben Rechte, und Vermieter müssen sich an gesetzliche Vorgaben halten.
Diskriminierung bekämpfen: Das AGG verbietet Benachteiligung bei der Wohnungsvergabe. Für Anbieter mit über 50 Wohnungen gelten besonders strenge Regeln.
Kündigungsschutz kennen: Streitigkeiten oder kleine Zahlungsverspätungen rechtfertigen keine Kündigung. Auch bei einem Verkauf gilt: Kauf bricht nicht Miete.
Beratung suchen: Mietervereine, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Fachanwälte unterstützen bei Konflikten.
Als Mieter*in selbst aktiv werden
Gemeinschaft bilden: Austausch mit Nachbarn, Hausgemeinschaften oder Mietervereine stärken die eigene Position.
Dokumentation pflegen: Mietvertrag, Schriftverkehr und Protokolle geordnet sammeln.
Professionell auftreten: Vollständige Unterlagen und klare Kommunikation erhöhen die Chancen bei der Wohnungssuche.
Fazit: Wir brauchen Vermieter mit sozialem Gewissen
Um Einsamkeit und soziale Spaltung zu verringern, braucht es einen Wandel weg vom rein profitorientierten Wohnungsmarkt. Der Ausbau gemeinwirtschaftlicher Anbieter – Genossenschaften, Kommunen, soziale Träger – ist dabei der wirksamste Hebel.
Gleichzeitig können Mieter ihre Rechte nutzen, sich organisieren und so aktiv dazu beitragen, dass Wohnen wieder ein soziales Gut wird.
Gegenüberstellung und Einordnung der AfD-Forderungen zu Einbürgerung und Ausgangssperren
1. Einbürgerung nach „Nützlichkeit“
Aktuelles Recht
Einbürgerung ist Bundesrecht. Voraussetzungen wie Lebensunterhaltssicherung, Sprachkenntnisse (B1), Straffreiheit und das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind im Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) festgelegt.
Rechtliche Hürden
Die Einführung eines „Nützlichkeits“-Kriteriums oder einer Obergrenze (z. B. 500/Jahr) erfordert eine Änderung des Bundesrechts, für die es derzeit keine Mehrheit gibt.
Der pauschale Entzug bereits erteilter Staatsbürgerschaften verstößt gegen das Grundgesetz (Art. 16 GG).
2. Ausgangssperre für Asylbewerber
Aktuelles Recht
Es existiert eine Residenzpflicht, die den Aufenthalt auf einen Bezirk beschränken kann.
Eine generelle, zeitliche Ausgangssperre für eine ganze Personengruppe geht deutlich darüber hinaus.
Rechtliche Hürden
Eine pauschale Ausgangssperre ohne individuelle Verdachtsmomente würde voraussichtlich gegen Grundrechte (Allgemeine Handlungsfreiheit, Art. 2 GG; Diskriminierungsverbot, Art. 3 GG) sowie gegen das Asylrecht verstoßen.
3. Politische Absicht und Kontext
Wahlkampf und Mobilisierung
Die Ankündigung erfolgte sechs Wochen vor der bayerischen Kommunalwahl.
Laut Politikwissenschaftler Philipp Adorf sollen Begriffe wie „Remigration“ gezielt in den Mainstream gebracht werden.
Themenbesetzung
Migration ist laut Politikwissenschaftler Hans Vorländer das „essenzielle Thema für das Geschäftsmodell“ der AfD.
Auch andere Parteien debattieren inzwischen über härtere Maßnahmen, was die AfD als Bestätigung ihrer Agenda deutet.
Politische Isolation
Die bayerische AfD wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
Andere Parteien kritisieren die Pläne scharf; Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete ein ähnliches AfD-Papier als „extrem ausländerfeindlich“.
💎 Fazit
Die Forderungen sind unter der aktuellen Rechts- und Mehrheitslage nicht umsetzbar. Sie dienen vor allem als wahlkampftaktische und polarisierende Signale, die die eigene Kernklientel mobilisieren und die öffentliche Debatte nach rechts verschieben sollen. Die konkrete Verwaltungspraxis und der gesellschaftliche Grundkonsens stehen diesen Plänen entgegen.
Gegendarstellung zu den Forderungen der bayerischen AfD-Fraktion
1. Zur Forderung einer „nützlichkeitsbasierten“ Einbürgerung
Behauptung der AfD
Einbürgerung solle nur nach „gelungener Integration“ und „Nützlichkeit“ erfolgen.
Menschen im Niedriglohnsektor seien demnach nicht gemeint.
Gegendarstellung und Einordnung
Bundesrechtliche Einheitlichkeit
Staatsangehörigkeitsrecht ist ausschließliche Bundeskompetenz.
Bayern kann keine eigenen Kriterien wie „Nützlichkeit“ einführen.
Aktuelle gesetzliche Voraussetzungen
Das geltende Recht enthält bereits strenge Anforderungen: rechtmäßiger Aufenthalt, Deutschkenntnisse (B1), Lebensunterhaltssicherung, Straffreiheit, Bekenntnis zur FDGO.
Verfassungswidrigkeit und Menschenwürde
Ein „Nützlichkeits“-Kriterium verstößt gegen Art. 1 und Art. 3 GG.
Es würde Menschen nach ökonomischem Wert sortieren und ein Zwei-Klassen-System schaffen.
Der Verfassungsschutz sieht in solchen Konzepten Ansätze zur Ausgrenzung und Rechtlosstellung.
2. Zur Forderung einer abendlichen Ausgangssperre für Asylbewerber
Behauptung der AfD
Eine abendliche Ausgangssperre erhöhe die öffentliche Sicherheit.
Gegendarstellung und Einordnung
Kollektivstrafe ohne Anlass
Eine pauschale Ausgangssperre stellt eine unzulässige Kollektivmaßnahme dar.
Sie setzt Unschuldige unter Generalverdacht.
Verfassungsrechtliche Grundrechtsverletzung
Eine solche Maßnahme greift schwerwiegend in Art. 2 GG und Art. 3 GG ein.
Einstufung durch Gerichte und Verfassungsschutz
Ähnliche Forderungen der Jungen Alternative waren ein Grund für deren Einstufung als gesichert rechtsextremistischer Verdachtsfall.
Gerichte sahen darin Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Schlussfolgerung
Die Forderungen der bayerischen AfD-Fraktion sind weder realistische Politikvorschläge noch mit der Verfassung vereinbar. Sie ignorieren die Kompetenzordnung, verletzen Gleichheitsgrundsatz und individuelle Schuldprinzipien und würden zu gesellschaftlicher Spaltung führen. Es handelt sich um polarisierende Wahlkampfrhetorik, die auf Angst und Feindbilder setzt. Eine demokratische Gesellschaft muss solchen verfassungsfeindlichen Vorstößen entschieden entgegentreten.
Die Sehnsucht ist da: der Wunsch, nicht nur in vier Wänden zu leben, sondern in einem echten Zuhause – getragen von Nachbarschaft und gegenseitiger Unterstützung.
Wir träumen von Wohnprojekten, in denen man sich den Werkzeugkasten teilt, zusammen kocht und füreinander einsteht. Doch zwischen dieser Vision und der gelebten Realität klafft oft eine tiefe Lücke. Viele WGs und Gemeinschaftsprojekte scheitern nicht an großen Fragen, sondern an unsichtbaren, psychologischen Fallstricken, die wir uns selbst legen.
Der Mythos der „perfekten“ Mitbewohner: Die Suche nach Spiegelbildern
Der häufigste Ausgangspunkt ist die Suche nach den „Richtigen“. In Anzeigen wimmelt es von Formulierungen wie „wir suchen eine entspannte, tolerante Persönlichkeit“ – also im Grunde jemanden, der genauso ist wie wir selbst.
Dieses Casting nach Spiegelbildern ist ein fataler Irrtum.
Wir verwechseln Harmonie mit Homogenität. Doch eine Gemeinschaft, die nur aus ähnlichen Charakteren besteht, ist nicht resilient, sondern fragil. Die echte Herausforderung – und die eigentliche Chance – liegt im konstruktiven Umgang mit Unterschieden: Frühaufsteher und Nachtmenschen, Sparsame und Großzügige, Planer und Spontane.
Das Problem ist nicht die Verschiedenheit, sondern unsere mangelnde Übung, sie in produktive Absprachen zu gießen. Statt nach einem vagen „Wir passen schon“ zu suchen, wäre die ehrlichere Frage: „Welche unterschiedlichen Bedürfnisse haben wir – und welches Regelwerk könnte allen gerecht werden?“
Die unterschätzte Last: Emotionale Arbeit und unsichtbare Dienste
Sobald eine WG zusammenlebt, zeigt sich das nächste strukturelle Problem: der Fokus auf sichtbare Aufgaben.
Ein Putzplan ist schnell erstellt. Doch wer organisiert die nächste Hausversammlung? Wer merkt, dass es einem Mitbewohner nicht gut geht, und spricht es einfühlsam an? Wer denkt an Klopapier oder Küchenrollen, wenn sie zur Neige gehen?
Diese emotionale und administrative Arbeit ist unsichtbar, wird selten anerkannt und lastet oft auf ein oder zwei Schultern. Sie ist der eigentliche Kitt des Zusammenlebens – und gleichzeitig seine häufigste Belastungsprobe.
In klassischen Familienbeziehungen übernehmen diese Arbeit oft Frauen. Dieses Muster wiederholt sich in WGs häufig unreflektiert. Ein funktionierendes Gemeinschaftsprojekt muss diese unsichtbaren Aufgaben sichtbar machen, benennen und fair verteilen. Vielleicht braucht es eine rotierende „Verantwortung für das Zwischenmenschliche“ oder feste Ansprechpersonen für bestimmte Bereiche.
Die Angst vor der Institution: Warum Regeln kein Feind der Freiheit sind
Das vielleicht tiefste Hindernis ist unsere romantische Abneigung gegen klare Strukturen. Regeln, Verträge und Prozesse wirken wie bürokratische Kälte – das Gegenteil der warmen, organischen Gemeinschaft, die wir uns wünschen. Also vermeiden wir sie, bis der erste Konflikt eskaliert.
Doch genau diese Weigerung, das Gerüst zu bauen, bevor man einzieht, ist fatal.
Eine klar verhandelte Struktur ist nicht der Feind der Freiheit, sondern ihr Fundament. Sie schafft Sicherheit und Fairness:
Wer putzt wann?
Wie werden gemeinsame Ausgaben entschieden?
Wie löst man Konflikte?
Was passiert, wenn jemand ausziehen will?
Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag oder gemeinsame Hausregeln zwingen dazu, über diese Fragen nachzudenken, bevor sie akut werden. Erwartungen werden explizit – und alle Beteiligten geschützt.
Die wichtigste Phase eines Wohnprojekts ist nicht das Einweihungsfest, sondern der oft mühsame, aber enorm bereichernde Prozess, diesen Vertrag auszuhandeln. Hier entsteht aus einer Gruppe von Individuen eine echte, intentionale Gemeinschaft.
Der Weg hinaus: Vom Traum zur gelebten Struktur
Die Lösung liegt nicht darin, die Träume aufzugeben, sondern sie mit handwerklicher Sorgfalt umzusetzen:
Suche nicht nach Ähnlichkeit, sondern nach Verlässlichkeit. Frage nicht: „Bist du wie ich?“, sondern: „Kann ich mich auf dich verlassen, wenn es schwierig wird – und bleibst du bei Konflikten am Tisch?“
Macht die Unsichtbarkeit sichtbar. Sprecht von Anfang an nicht nur über Putzpläne, sondern auch über emotionale und organisatorische Verantwortung. Rotiert diese Aufgaben. Schafft Wertschätzung.
Feiert den Vertrag. Nehmt euch ein ganzes Wochenende Zeit.
Holt bei Bedarf externe Moderation dazu.
Verhandelt euren Vertrag als Gründungsritual. Nicht als Pflicht, sondern als Kern eurer Gemeinschaft. Dieser Prozess offenbart mehr über euch als Monate des lockeren Zusammenlebens.
Fazit: Fehlertolerante Systeme statt perfekte Menschen
Es geht nicht darum, perfekte Mitbewohner zu finden, sondern Systeme zu schaffen, die Fehler aushalten. Ein Zuhause entsteht nicht durch die Abwesenheit von Konflikten, sondern durch vereinbarte Wege, sie zu lösen.
Gemeinschaftliches Wohnen ist nicht „Mist“ – es ist vielleicht die ehrlichste und anspruchsvollste Form des Wohnens, die wir uns vorstellen können.
Und genau deshalb lohnt es sich, darüber zu schreiben.
Warum Rosenheim nicht baut – und was Corona damit zu tun hat
Ja, wir haben einen Wohnungsnotstand. Aber keinen Willen, ihn zu bekämpfen.
Ein Blick auf Rosenheims Bauplakate – oder auf das, was dort fehlt – reicht aus. Corona hat uns eines gezeigt: Wenn die Politik etwas wirklich will, geht alles plötzlich sehr schnell. Innerhalb weniger Wochen wurden Grundrechte neu justiert und milliardenschwere Hilfspakete geschnürt.
Doch bei der Wohnungskrise? Da heißt es plötzlich:
„Das geht nicht. Zu viel Bürokratie. Zu kompliziert. Dauert zu lange.“
Das ist nicht die Wahrheit. Das ist eine bequeme Lüge.
Der Unterschied liegt nicht zwischen „möglich“ und „unmöglich“, sondern zwischen echtem Notstand und bequemer Gleichgültigkeit.
Was läuft falsch? Ein Blick hinter die Kulissen
1. Spekulation & Verdrängung
Rosenheims Lage lockt nicht Menschen, sondern Kapital. Immobilien werden als Assets gehandelt, nicht als Wohnraum.
Preise steigen ins Schwindelerregende
Löhne und Renten bleiben zurück
Die soziale Durchmischung stirbt
2. Zersiedelung & Flächenfraß
Statt klug zu verdichten, baut man auf der „grünen Wiese“ (Mangfallpark, Südliche Au). Das Ergebnis:
autofixierte Schlafsiedlungen
ohne Seele
ohne Kitas
ohne Ärzte
ohne Leben
Die Stadt wird auseinandergerissen.
3. Der falsche Wohnungstyp
Gebaut wird, was Profit bringt:
teure Eigentumswohnungen
große Mietwohnungen für Gutverdiener
Was fehlt?
kleine, bezahlbare Wohnungen
Angebote für Singles, Senioren, Trennungskinder
gemeinschaftliche Wohnformen
Sträflich vernachlässigt.
4. Verlust des Gemeinwohls
Wohnen wird als Marktproblem verwaltet, nicht als Grundrecht organisiert. Die Idee, dass eine Stadt für ihre Bewohner da sein muss, ist verloren gegangen.
Das Ergebnis: Ein verlorenes Wir in anonymen Treppenhäusern.
Wie kann man es ändern? Nicht mit Kosmetik – mit Politik
Die Werkzeuge liegen längst bereit. Man muss sie nur benutzen.
1. Grundstücke der Spekulation entziehen
Vorkaufsrecht der Stadt konsequent nutzen
Erbbaurecht zur Regel machen
Bauland nur noch mit verbindlicher Sozialbindung ausweisen (mind. 50 % geförderter Wohnraum)
2. Richtig und klug verdichten
Nicht am Rand, sondern im Bestand:
Aufstocken
Baulücken schließen
Gewerbebrachen umnutzen
Grünflächen und Gemeinschaftsräume integrieren
3. Neue Wohnformen ermöglichen – und erzwingen
Bebauungspläne für Co‑Living, Tiny‑House‑Kollektive, Mehrgenerationenprojekte öffnen
eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen, die bedarfsgerecht statt profitorientiert baut
4. Die Gemeinschaft zurückholen
Mietpreisbremse durchsetzen
Quartiersmanager in jedem Stadtteil
„Gemeinschaftspflicht“ in städtischen Mietverträgen: Wer hier lebt, trägt etwas bei
Was man sofort tun könnte
Modulare Holzhäuser auf Leerflächen
Auf brachliegenden Parkplätzen oder Gewerbebrachen. Bauzeit: Monate, nicht Jahre.
Das „Rosenheimer Modell“ im Baurecht
Experimentierklauseln nutzen, um Gewerbe und Wohnen zu mischen. So entstehen lebendige Quartiere.
Parkhäuser aufstocken
Viele Parkdecks tragen zwei bis drei zusätzliche Geschosse. Unten Parken – oben bezahlbar wohnen.
Die radikalste Idee: Wohnraum entkommerzialisieren
Eine kommunale Bürger‑Genossenschaft:
kauft Mietshäuser
saniert sie
vermietet sie kostendeckend
macht Mieter zu Teilhabern
Es fehlt nicht an Platz. Es fehlt am Willen.
Corona hat gezeigt, wie schnell Veränderung geht, wenn der Druck groß genug ist.
Die Frage ist: Wann wird der Druck der Wohnungslosen, der Verzweifelten, der Einsamen groß genug sein?
Wollen wir eine Spekulationsblume mit schöner Altstadt bleiben? Oder eine soziale, dichte, lebendige Stadt, die ihr „Wir“ zurückerobert hat?
Die Idee einer Pflichtschulung für Vermieter ist radikal – und notwendig. Freiwilligkeit bedeutet heute: Wer keine Verantwortung übernehmen will, muss es auch nicht.
Das „Rosenheimer Modell“
Eine kommunale Satzung kann Pflichten für Vermieter festlegen, wenn ein öffentliches Interesse besteht – hier: Bekämpfung von Einsamkeit und Sicherung des sozialen Friedens.
Stufenplan
Stufe 1: Ein „Runder Tisch Wohnen & Gemeinschaft“ erarbeitet ein Schulungscurriculum.
Stufe 2: Eine „Soziale‑Wohnraum‑Satzung“ wird verabschiedet:
Pflichtschulung alle 5 Jahre
Inhalte: alternative Wohnformen, Mediation, Förderprogramme, soziale Verantwortung
Stufe 3: Konsequenzen:
Positiv: Zertifikat „Sozialer Vermieter Rosenheim“ mit Vorteilen Negativ: Nicht‑Teilnehmer verlieren Vergünstigungen und erscheinen auf einer Negativliste
Was aktuell passiert – und warum es nicht reicht
Es gibt nur freiwillige Informationsangebote. Das erreicht nur Vermieter, die ohnehin interessiert sind. Der Großteil bleibt außen vor. Die Stadt agiert als Bittsteller statt als Gestalter.
Wie man gegensteuern kann
Thema als Bürgerantrag in den Stadtrat bringen
Unterschriften sammeln
Parteien öffentlich konfrontieren
Leserbriefe schreiben
Bündnisse mit Mietervereinen, Kirchen, Sozialverbänden
Pilotprojekt in einem Sanierungsgebiet starten
Fazit
Eine Pflichtschulung für Vermieter ist keine Spinnerei, sondern eine logische Konsequenz, wenn Wohnen als soziales Gemeingut verstanden wird. Rosenheim könnte Vorreiter sein – wenn der politische Mut da ist.
Der Druck muss von den Bürgern kommen. Dein Frust ist ein guter Anfang.
Wenn du möchtest, kann ich dir den Text auch:
SEO‑optimieren
in Abschnitte mit Teasern für WordPress aufteilen
mit Zwischenüberschriften, Teaser‑Sätzen oder Call‑to‑Action‑Elementen versehen
Die Lösung liegt nicht in mehr Angeboten, sondern in klügeren, verbindenden Strukturen. Rosenheim muss vom „Betreuer“ zum „Ermöglicher“ werden.
1. Gemeinschaftswohnungen forcieren
Baugrundstücke im Erbbaurecht für genossenschaftliche Projekte bereitstellen
In jedem neuen Baugebiet verbindliche Anteile an geförderten Gemeinschaftswohnungen
Gemeinschaftsflächen verpflichtend integrieren
2. Vermieter verpflichten und fördern
Pflichtschulung
Vermieter mit mehr als X Wohnungen müssen alle fünf Jahre an einer städtischen Schulung teilnehmen:
alternative Wohnformen
Konfliktmediation
gemeinschaftsfördernde Maßnahmen
soziale Verantwortung im Mietverhältnis
Anerkennungsmodell
„Sozialer Vermieter Rosenheim“ – mit Vorteilen wie:
schnellere Baugenehmigungen
bevorzugte Grundstücksvergabe
öffentliche Anerkennung
Musterverträge
Stadt entwickelt Muster‑WG‑Verträge und Regeln für gemeinschaftliche Wohnformen.
3. „Lebens‑Themen‑Tische“ statt Smalltalk
Moderierte Gesprächsrunden in Büchereien zu existenziellen Themen wie:
„Was gab meinem Leben Sinn?“
„Einsamkeit – und was hilft?“
Das schafft erlaubte Tiefe.
4. Der „Rosenheimer Kompetenz‑Pass“
Eine städtische Datenbank, in die Ältere ihre Fähigkeiten eintragen. Bürger und Initiativen können gezielt Workshops oder Rat anfragen. Das schafft Wertschätzung und neue Rollen.
5. Echte „Dritte Orte“ schaffen
Leerstehende Läden für symbolische 1‑Euro‑Miete an Initiativen vergeben, die ein „Offenes Wohnzimmer“ betreiben. Dazu: bezahlbare Park‑Oasen von Anfang an mitdenken.
6. Gemeinschaftsaufgaben im Quartier
Jedes Viertel erhält:
ein kleines Budget
einen Quartiersmanager
Die Bewohner entscheiden selbst, was sie schaffen: Hochbeet, Lesezirkel, Nachbarschaftsprojekt. Gemeinsames Tun ist der stärkste Kitt gegen Einsamkeit.
7. Parken für Teilhabe – nicht als Barriere
erste Stunde frei in städtischen Anlagen
Park‑Flatrates für Vereinsmitglieder
vergünstigte Jahreskarten für Ehrenamtliche
8. Digitale Brücken bauen
Angebote, bei denen Technik und Inhalt verschmelzen:
gemeinsamer Podcast „Geschichten aus meinem Rosenheim“
digitale Stadtgeschichte per Zoom erforschen
Zusammengefasst
Die leeren Gespräche bei Kaffee und Kuchen sind nur das Symptom. Die Krankheit heißt:
fehlende gemeinsame Sache
fehlende erlaubte Tiefe
mangelnde gemeinschaftliche Wohnformen
Vermieter ohne soziale Verantwortung
Stadtlogistik, die Verweilen bestraft
Rosenheim könnte gegensteuern, indem es:
gemeinschaftlichen Wohnraum aktiv fördert
Vermieter durch Pflichtschulungen und Anreize in Verantwortung bringt
Menschen wieder gebraucht und wertgeschätzt fühlen lässt
stressfreien Zugang zu Begegnung ermöglicht
Dann entsteht ein „Wir“, weil die Stadt Räume, Regeln und verantwortungsbewusste Vermieter schafft, in denen Menschen gemeinsam etwas bewegen können.
Die Stadt bietet viel, doch oft sind es nur Pflaster auf einer tiefen Wunde. Das Problem ist systemisch.
Viele Angebote für Ältere – klassische Seniorencafés, Gesprächsrunden, Nachmittage bei Kaffee und Kuchen – bleiben im Smalltalk stecken. Man redet über Wetter und Kuchen, weil es sicher ist. Doch es fehlen mutige Formate, die Tiefe, Sinn und echte Verbindung schaffen.
Gleichzeitig wächst die Stadt auseinander. In neuen Vierteln wie der Südlichen Au fehlen „dritte Orte“ – frei zugängliche, einladende Plätze zum Verweilen, nicht nur zum Konsumieren.
Wohnformen ohne Gemeinschaft – ein strukturelles Versäumnis
Der Wohnungsmarkt fördert teure Einzelwohnungen und Eigentumsblöcke, während gemeinschaftliche Wohnformen sträflich vernachlässigt werden. Neue, geförderte Gemeinschaftswohnungen und -häuser wären wichtiger denn je, doch sie gelten politisch nicht als prioritäre Aufgabe.
Es fehlen Anreize für genossenschaftliche Modelle, Mehrgenerationenhäuser und Co‑Living‑Projekte, die Gemeinschaft bereits im Grundriss verankern.
Vermieter ohne soziale Verantwortung
Ein weiteres massives Problem ist die Haltung vieler Vermieter. Wohnungen gelten als Renditeobjekte, Vermieter als reine Inkassostellen. Ihre einzige Pflicht scheint zu sein, dass die Miete pünktlich kommt.
Die soziale Verantwortung, stabile und lebendige Hausgemeinschaften zu ermöglichen, existiert praktisch nicht. Es fehlen Bewusstsein, Modelle und Verpflichtungen, die Vermieter in die Rolle von Gestaltern von Lebensraum bringen.
Parkgebühren als unsichtbarer sozialer Filter
Aggressive Parkgebühren verwandeln die Innenstadt in einen zahlungspflichtigen Club. Die ständige Sorge ums Ticket erstickt spontane Begegnungen. Wer von außerhalb kommt und nicht weiß, ob sich ein kurzer Besuch „lohnt“, bleibt oft gleich zu Hause.
Die Botschaft der Stadt lautet unfreiwillig: Deine Zeit hier kostet – buchstäblich.
Digitalisierung als Barriere statt Brücke
Es gibt Kurse zur Tablet‑Bedienung, aber kaum Angebote, wie man Technik konkret gegen Einsamkeit nutzen kann – etwa für Online‑Stammtische oder digitale Gemeinschaftsprojekte.
Der Verlust sinnstiftender Rollen
Mit dem Renteneintritt fallen Arbeit, Status und tägliche Gespräche weg. Rosenheim bietet zu wenig neue, wertgeschätzte Aufgaben für diese Lebensphase. Es fehlen Programme, die das Wissen und die Zeit Älterer einbinden – als Stadtführer, Museumserzähler oder Coaches für junge Familien.
Das Ergebnis: ein Vakuum, das Kaffee und Kuchen nicht füllen können.
Das Leben kann uns manchmal in eine Schieflage bringen – eine Situation, in der man den Boden unter den Füßen verliert, den eigenen Weg nicht mehr erkennt und sich allein gelassen fühlt.
Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich habe es selbst erlebt: schwere gesundheitliche und psychische Krisen, die Erfahrung der Obdachlosigkeit und den Kampf gegen eine Krebserkrankung. Aus diesen Tälern habe ich eine tiefe Überzeugung mitgenommen: Niemand sollte solche Wege allein gehen müssen.
Warum ich diese Plattform geschaffen habe
Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen in genau diesen Situationen zu unterstützen.
Dies ist kein therapeutisches Angebot und ersetzt keine psychiatrische Hilfe. Es ist etwas anderes – etwas Einfaches und gleichzeitig Kraftvolles: Hilfe auf Augenhöhe. Von Mensch zu Mensch.
Hier gibt es kein „oben“ oder „unten“. Hier gibt es keinen Fall. Hier gibt es Menschen.
Was zählt, bist du
Wenn du vor mir sitzt, zählt allein dein Wunsch, dein Anliegen, deine Geschichte. Und dieser Wunsch ist es wert, gehört und ernst genommen zu werden. Gemeinsam setzen wir ihn in die Tat um.
Wobei ich dich unterstützen kann
neue berufliche Perspektiven finden
nach einer schwierigen Lebensphase wieder Fuß fassen
als geflüchteter Mensch Gehör für die eigene Geschichte finden
aus der Obdachlosigkeit zurück ins Leben kommen
Die Wege sind so zahlreich wie die Menschen selbst.
Oft spielen Isolation, Alter, Behinderung oder andere Faktoren hinein und machen die Situation komplex. Meine Unterstützung ist so individuell wie du. Sie kann ein offenes Ohr sein, ein gemeinsames Sortieren der Gedanken, das Entwickeln eines nächsten kleinen Schrittes oder die Begleitung auf einem Stück deines Weges.
Transparenz und Verantwortung
Mein Angebot ist bewusst gestaffelt und transparent – wie du auf der letzten Seite sehen kannst.
Wichtiger Hinweis: Solltest du von einer Behörde oder einem Gericht die Auflage oder Anregung erhalten haben, eine Form der gesetzlichen Betreuung oder Unterstützung in Anspruch zu nehmen, bitte ich dich, vor unserem gemeinsamen Weg Rücksprache mit der zuständigen Stelle zu halten. Kläre bitte ab, ob ich in dieser speziellen Situation derjenige sein darf, der dich begleitet. Dein rechtlicher Rahmen und dein Schutz stehen an erster Stelle.
Was ich dir anbiete
Ich biete keine fertigen Lösungen von der Stange. Ich biete mich an – als Mensch. Mit meiner Erfahrung, meinem Zuhören und meinem festen Glauben daran, dass in jedem Menschen der Schlüssel für seinen eigenen, richtigen Weg liegt.
Ich würde mich freuen, mit dir gemeinsam den Weg zu gehen, der für dich richtig und wichtig ist.
Oder: Warum unsere größte Angst unsere letzte Rettung sein könnte
Ich beginne mit einem Bild, das Sie vielleicht kennen. Ein Gefühl, das wir alle teilen: die Vorstellung, dass ein Fremder in unserem Bad steht. In diesem intimsten Raum, in dem wir uns verwundbar zeigen. Diese Vorstellung – sie wirkt wie ein Alptraum. Der Feind in meinem Bad.
Doch bleiben wir einen Moment bei diesem Bild. Bei dieser Angst. Denn genau hier liegt der Knoten, den wir lösen müssen, wenn wir über alternative Wohnformen sprechen.
Die bekannte Scheiße stinkt – aber sie ist vertraut
Warum leben so viele Menschen in viel zu großen Häusern, während andere kein Dach über dem Kopf haben? Warum halten wir an der Einsamkeit fest, obwohl wir die Lösungen längst kennen?
Senioren-WGs, Clusterwohnungen, Mehrgenerationenhäuser – die Konzepte existieren, die Broschüren liegen aus. Und doch bleibt die Hürde gigantisch. Sie trägt viele Namen:
Angst vor Kontrollverlust
Panik, in den eigenen vier Wänden dominiert zu werden
Trauer um den verstorbenen Lebenspartner, dessen Geist noch in jedem Raum wohnt
Doch dann dürfen wir nicht jammern. Nicht über den teuren Gärtner. Nicht über die unbezahlbare Haushaltshilfe. Nicht über die Treppe, die immer steiler wird.
Das falsche Vertraute
Wir klammern uns an das Vertraute – auch wenn es uns einsam macht. Auch wenn es uns finanziell ruiniert. Auch wenn es bedeutet, allein zu altern.
Denn spätestens wenn sich die Tür des Altenheims öffnet, ist jedes bisschen Eigenständigkeit verloren. Dann herrscht der Stundenplan. Die Fremdbestimmung. Das Institutionelle.
Und trotzdem: Lieber das, als ein Fremder im Bad? Lieber absolute Kontrolle über ein leeres Reich, als geteilte Verantwortung in einem lebendigen Haus?
Die Angst-Blindheit
Hier liegt unser fundamentales Problem: In der Angst sind wir blind für die Rettung. Wenn die Sorge kommt, fixieren wir uns auf die Schatten. Wir zählen die Nachteile auf wie Perlen einer Bedenkenkette:
„Das könnte schiefgehen.“
„Das ist mir zu fremd.“
„Da ist ein Fremder in meinem Bad – ein Feind in meinem Bad!“
Vor lauter Schatten sehen wir das Licht nicht mehr. Wir erkennen nicht, was uns retten könnte.
Die verwandelte Perspektive
Stellen Sie sich die andere Seite vor:
Was, wenn der angebliche „Feind im Bad“ morgen der Freund in der Küche ist? Derjenige, der lacht, wenn man den Frühstückstisch deckt. Der die Semmeln schon geholt hat. Die helfende Hand, die da ist, wenn man selbst mal nicht so „beieinander“ ist.
Was, wenn aus dem Fremden im Bad der Mitgärtner wird, der uns die horrende Rechnung erspart? Der Mitfahrer im geteilten Auto? Der Gesprächspartner am gemeinsamen Abend?
Aus dem Feind im Bad wird der Freund fürs Leben. Aus unserer größten Angst wird unsere letzte Rettung.
Das bröckelnde Fundament
Wir können nicht weitermachen wie bisher. Wir können nicht alle, jeder für sich, alleine und einsam vor uns hinvegetieren.
Irgendwann bröckelt jedes Fundament: Kinder ziehen weg. Partner sterben. Freunde werden weniger.
Die traditionelle Familie – dieses Sicherheitsnetz, auf das Generationen vertrauten – hat Löcher bekommen.
Und dann? Dann sitzen wir wirklich allein. Mit unserem sauberen, leeren, stillen Bad. Mit perfekter Kontrolle über eine leere Burg.
Der Quantensprung
Es braucht einen bewussten Bruch. Eine Entscheidung, den Blick zu wenden: Vom Gewohnten, das uns einsam macht, hin zum Ungewohnten, das uns verbinden könnte.
Ja, es gibt Dinge zu regeln: Ernährung, Allergien, Rauchen, Ruhezeiten. Dafür gibt es Verträge. Dafür gibt es Moderation. Dafür gibt es die Möglichkeit, alles zu besprechen.
Die Frage ist nicht: „Passt alles perfekt?“ Sondern: „Bin ich bereit, lebendig zu sein?“
Die offene Tür
Wir haben die Wahl. Nicht morgen. Nicht erst, wenn die Krise unausweichlich ist. Sondern jetzt.
Wählen wir die bekannte Leere? Oder wagen wir das unbekannte, lebendige Voll‑Sein?
Die Entscheidung beginnt dort, wo unsere tiefste Angst wohnt: in der Vorstellung vom Fremden im eigenen Bad.
Vielleicht ist es an der Zeit, diese Tür zu öffnen. Vielleicht wartet dahinter nicht der Feind, sondern der Freund, den wir in unserer Einsamkeit so schmerzlich vermissen. Vielleicht wartet dort nicht das Ende unserer Selbstständigkeit, sondern der Anfang eines neuen, geteilten Lebens.
Es ist Zeit, das Badezimmer zu teilen, um die Welt zurückzugewinnen.
Denn am Ende geht es nicht darum, ob ein Fremder in unserem Bad steht. Sondern darum, ob wir bereit sind, aus einem Haus ein Zuhause zu machen – und aus Einsamkeit Gemeinschaft.
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