Warum wir dringend andere Vermieter brauchen. 


Gemeinwirtschaftliche und soziale Anbieter stärken
  • Dokumentation pflegen: Mietvertrag, Schriftverkehr und Protokolle geordnet sammeln.
  • Professionell auftreten: Vollständige Unterlagen und klare Kommunikation erhöhen die Chancen bei der Wohnungssuche.

Warum wir uns beim Wohnen selbst im Weg stehen

Die Sehnsucht ist da: der Wunsch, nicht nur in vier Wänden zu leben, sondern in einem echten Zuhause – getragen von Nachbarschaft und gegenseitiger Unterstützung.

Wir träumen von Wohnprojekten, in denen man sich den Werkzeugkasten teilt, zusammen kocht und füreinander einsteht. Doch zwischen dieser Vision und der gelebten Realität klafft oft eine tiefe Lücke. Viele WGs und Gemeinschaftsprojekte scheitern nicht an großen Fragen, sondern an unsichtbaren, psychologischen Fallstricken, die wir uns selbst legen.

Der Mythos der „perfekten“ Mitbewohner: Die Suche nach Spiegelbildern

Der häufigste Ausgangspunkt ist die Suche nach den „Richtigen“. In Anzeigen wimmelt es von Formulierungen wie „wir suchen eine entspannte, tolerante Persönlichkeit“ – also im Grunde jemanden, der genauso ist wie wir selbst.

Dieses Casting nach Spiegelbildern ist ein fataler Irrtum.

Wir verwechseln Harmonie mit Homogenität. Doch eine Gemeinschaft, die nur aus ähnlichen Charakteren besteht, ist nicht resilient, sondern fragil. Die echte Herausforderung – und die eigentliche Chance – liegt im konstruktiven Umgang mit Unterschieden: Frühaufsteher und Nachtmenschen, Sparsame und Großzügige, Planer und Spontane.

Das Problem ist nicht die Verschiedenheit, sondern unsere mangelnde Übung, sie in produktive Absprachen zu gießen. Statt nach einem vagen „Wir passen schon“ zu suchen, wäre die ehrlichere Frage: „Welche unterschiedlichen Bedürfnisse haben wir – und welches Regelwerk könnte allen gerecht werden?“

Die unterschätzte Last: Emotionale Arbeit und unsichtbare Dienste

Sobald eine WG zusammenlebt, zeigt sich das nächste strukturelle Problem: der Fokus auf sichtbare Aufgaben.

Ein Putzplan ist schnell erstellt. Doch wer organisiert die nächste Hausversammlung? Wer merkt, dass es einem Mitbewohner nicht gut geht, und spricht es einfühlsam an? Wer denkt an Klopapier oder Küchenrollen, wenn sie zur Neige gehen?

Diese emotionale und administrative Arbeit ist unsichtbar, wird selten anerkannt und lastet oft auf ein oder zwei Schultern. Sie ist der eigentliche Kitt des Zusammenlebens – und gleichzeitig seine häufigste Belastungsprobe.

In klassischen Familienbeziehungen übernehmen diese Arbeit oft Frauen. Dieses Muster wiederholt sich in WGs häufig unreflektiert. Ein funktionierendes Gemeinschaftsprojekt muss diese unsichtbaren Aufgaben sichtbar machen, benennen und fair verteilen. Vielleicht braucht es eine rotierende „Verantwortung für das Zwischenmenschliche“ oder feste Ansprechpersonen für bestimmte Bereiche.

Die Angst vor der Institution: Warum Regeln kein Feind der Freiheit sind

Das vielleicht tiefste Hindernis ist unsere romantische Abneigung gegen klare Strukturen. Regeln, Verträge und Prozesse wirken wie bürokratische Kälte – das Gegenteil der warmen, organischen Gemeinschaft, die wir uns wünschen. Also vermeiden wir sie, bis der erste Konflikt eskaliert.

Doch genau diese Weigerung, das Gerüst zu bauen, bevor man einzieht, ist fatal.

Eine klar verhandelte Struktur ist nicht der Feind der Freiheit, sondern ihr Fundament. Sie schafft Sicherheit und Fairness:

  • Wer putzt wann?
  • Wie werden gemeinsame Ausgaben entschieden?
  • Wie löst man Konflikte?
  • Was passiert, wenn jemand ausziehen will?

Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag oder gemeinsame Hausregeln zwingen dazu, über diese Fragen nachzudenken, bevor sie akut werden. Erwartungen werden explizit – und alle Beteiligten geschützt.

Die wichtigste Phase eines Wohnprojekts ist nicht das Einweihungsfest, sondern der oft mühsame, aber enorm bereichernde Prozess, diesen Vertrag auszuhandeln. Hier entsteht aus einer Gruppe von Individuen eine echte, intentionale Gemeinschaft.

Der Weg hinaus: Vom Traum zur gelebten Struktur

Die Lösung liegt nicht darin, die Träume aufzugeben, sondern sie mit handwerklicher Sorgfalt umzusetzen:

  1. Suche nicht nach Ähnlichkeit, sondern nach Verlässlichkeit. Frage nicht: „Bist du wie ich?“, sondern: „Kann ich mich auf dich verlassen, wenn es schwierig wird – und bleibst du bei Konflikten am Tisch?“
  2. Macht die Unsichtbarkeit sichtbar. Sprecht von Anfang an nicht nur über Putzpläne, sondern auch über emotionale und organisatorische Verantwortung. Rotiert diese Aufgaben. Schafft Wertschätzung.
  3. Feiert den Vertrag. Nehmt euch ein ganzes Wochenende Zeit.
  4. Holt bei Bedarf externe Moderation dazu.
  5. Verhandelt euren Vertrag als Gründungsritual. Nicht als Pflicht, sondern als Kern eurer Gemeinschaft. Dieser Prozess offenbart mehr über euch als Monate des lockeren Zusammenlebens.

Fazit: Fehlertolerante Systeme statt perfekte Menschen

Es geht nicht darum, perfekte Mitbewohner zu finden, sondern Systeme zu schaffen, die Fehler aushalten. Ein Zuhause entsteht nicht durch die Abwesenheit von Konflikten, sondern durch vereinbarte Wege, sie zu lösen.

Gemeinschaftliches Wohnen ist nicht „Mist“ – es ist vielleicht die ehrlichste und anspruchsvollste Form des Wohnens, die wir uns vorstellen können.

Die bequeme Lüge:

Warum Rosenheim nicht baut – und was Corona damit zu tun hat

Ja, wir haben einen Wohnungsnotstand. Aber keinen Willen, ihn zu bekämpfen.

Ein Blick auf Rosenheims Bauplakate – oder auf das, was dort fehlt – reicht aus. Corona hat uns eines gezeigt: Wenn die Politik etwas wirklich will, geht alles plötzlich sehr schnell. Innerhalb weniger Wochen wurden Grundrechte neu justiert und milliardenschwere Hilfspakete geschnürt.

Doch bei der Wohnungskrise? Da heißt es plötzlich:

„Das geht nicht. Zu viel Bürokratie. Zu kompliziert. Dauert zu lange.“

Das ist nicht die Wahrheit. Das ist eine bequeme Lüge.

Der Unterschied liegt nicht zwischen „möglich“ und „unmöglich“, sondern zwischen echtem Notstand und bequemer Gleichgültigkeit.


Was läuft falsch? Ein Blick hinter die Kulissen

1. Spekulation & Verdrängung

Rosenheims Lage lockt nicht Menschen, sondern Kapital. Immobilien werden als Assets gehandelt, nicht als Wohnraum.

  • Preise steigen ins Schwindelerregende
  • Löhne und Renten bleiben zurück
  • Die soziale Durchmischung stirbt

2. Zersiedelung & Flächenfraß

Statt klug zu verdichten, baut man auf der „grünen Wiese“ (Mangfallpark, Südliche Au). Das Ergebnis:

  • autofixierte Schlafsiedlungen
  • ohne Seele
  • ohne Kitas
  • ohne Ärzte
  • ohne Leben

Die Stadt wird auseinandergerissen.

3. Der falsche Wohnungstyp

Gebaut wird, was Profit bringt:

  • teure Eigentumswohnungen
  • große Mietwohnungen für Gutverdiener

Was fehlt?

  • kleine, bezahlbare Wohnungen
  • Angebote für Singles, Senioren, Trennungskinder
  • gemeinschaftliche Wohnformen

Sträflich vernachlässigt.

4. Verlust des Gemeinwohls

Wohnen wird als Marktproblem verwaltet, nicht als Grundrecht organisiert. Die Idee, dass eine Stadt für ihre Bewohner da sein muss, ist verloren gegangen.

Das Ergebnis: Ein verlorenes Wir in anonymen Treppenhäusern.


Wie kann man es ändern? Nicht mit Kosmetik – mit Politik

Die Werkzeuge liegen längst bereit. Man muss sie nur benutzen.

1. Grundstücke der Spekulation entziehen

  • Vorkaufsrecht der Stadt konsequent nutzen
  • Erbbaurecht zur Regel machen
  • Bauland nur noch mit verbindlicher Sozialbindung ausweisen (mind. 50 % geförderter Wohnraum)

2. Richtig und klug verdichten

Nicht am Rand, sondern im Bestand:

  • Aufstocken
  • Baulücken schließen
  • Gewerbebrachen umnutzen
  • Grünflächen und Gemeinschaftsräume integrieren

3. Neue Wohnformen ermöglichen – und erzwingen

  • Bebauungspläne für Co‑Living, Tiny‑House‑Kollektive, Mehrgenerationenprojekte öffnen
  • eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen, die bedarfsgerecht statt profitorientiert baut

4. Die Gemeinschaft zurückholen

  • Mietpreisbremse durchsetzen
  • Quartiersmanager in jedem Stadtteil
  • „Gemeinschaftspflicht“ in städtischen Mietverträgen: Wer hier lebt, trägt etwas bei

Was man sofort tun könnte

Modulare Holzhäuser auf Leerflächen

Auf brachliegenden Parkplätzen oder Gewerbebrachen. Bauzeit: Monate, nicht Jahre.

Das „Rosenheimer Modell“ im Baurecht

Experimentierklauseln nutzen, um Gewerbe und Wohnen zu mischen. So entstehen lebendige Quartiere.

Parkhäuser aufstocken

Viele Parkdecks tragen zwei bis drei zusätzliche Geschosse. Unten Parken – oben bezahlbar wohnen.


Die radikalste Idee: Wohnraum entkommerzialisieren

Eine kommunale Bürger‑Genossenschaft:

  • kauft Mietshäuser
  • saniert sie
  • vermietet sie kostendeckend
  • macht Mieter zu Teilhabern

Es fehlt nicht an Platz. Es fehlt am Willen.

Corona hat gezeigt, wie schnell Veränderung geht, wenn der Druck groß genug ist.

Die Frage ist: Wann wird der Druck der Wohnungslosen, der Verzweifelten, der Einsamen groß genug sein?

Wollen wir eine Spekulationsblume mit schöner Altstadt bleiben? Oder eine soziale, dichte, lebendige Stadt, die ihr „Wir“ zurückerobert hat?

Die Zeit der bequemen Lügen ist vorbei.

Vermieter‑Pflicht: Warum sie notwendig ist

Die Idee einer Pflichtschulung für Vermieter ist radikal – und notwendig. Freiwilligkeit bedeutet heute: Wer keine Verantwortung übernehmen will, muss es auch nicht.

Das „Rosenheimer Modell“

Eine kommunale Satzung kann Pflichten für Vermieter festlegen, wenn ein öffentliches Interesse besteht – hier: Bekämpfung von Einsamkeit und Sicherung des sozialen Friedens.

Stufenplan

Stufe 1: Ein „Runder Tisch Wohnen & Gemeinschaft“ erarbeitet ein Schulungscurriculum.

Stufe 2: Eine „Soziale‑Wohnraum‑Satzung“ wird verabschiedet:

  • Pflichtschulung alle 5 Jahre
  • Inhalte: alternative Wohnformen, Mediation, Förderprogramme, soziale Verantwortung

Stufe 3: Konsequenzen:

Positiv: Zertifikat „Sozialer Vermieter Rosenheim“ mit Vorteilen Negativ: Nicht‑Teilnehmer verlieren Vergünstigungen und erscheinen auf einer Negativliste

Was aktuell passiert – und warum es nicht reicht

Es gibt nur freiwillige Informationsangebote. Das erreicht nur Vermieter, die ohnehin interessiert sind. Der Großteil bleibt außen vor. Die Stadt agiert als Bittsteller statt als Gestalter.

Wie man gegensteuern kann

  • Thema als Bürgerantrag in den Stadtrat bringen
  • Unterschriften sammeln
  • Parteien öffentlich konfrontieren
  • Leserbriefe schreiben
  • Bündnisse mit Mietervereinen, Kirchen, Sozialverbänden
  • Pilotprojekt in einem Sanierungsgebiet starten

Fazit

Eine Pflichtschulung für Vermieter ist keine Spinnerei, sondern eine logische Konsequenz, wenn Wohnen als soziales Gemeingut verstanden wird. Rosenheim könnte Vorreiter sein – wenn der politische Mut da ist.

Der Druck muss von den Bürgern kommen. Dein Frust ist ein guter Anfang.

Wenn du möchtest, kann ich dir den Text auch:

  • SEO‑optimieren
  • in Abschnitte mit Teasern für WordPress aufteilen
  • mit Zwischenüberschriften, Teaser‑Sätzen oder Call‑to‑Action‑Elementen versehen
  • stilistisch an deinen Blog anpassen

Sag einfach Bescheid.

Was in Rosenheim schief läuft

und was Rosenheim wirklich ändern müsste

Die Stadt bietet viel, doch oft sind es nur Pflaster auf einer tiefen Wunde. Das Problem ist systemisch.

Viele Angebote für Ältere – klassische Seniorencafés, Gesprächsrunden, Nachmittage bei Kaffee und Kuchen – bleiben im Smalltalk stecken. Man redet über Wetter und Kuchen, weil es sicher ist. Doch es fehlen mutige Formate, die Tiefe, Sinn und echte Verbindung schaffen.

Gleichzeitig wächst die Stadt auseinander. In neuen Vierteln wie der Südlichen Au fehlen „dritte Orte“ – frei zugängliche, einladende Plätze zum Verweilen, nicht nur zum Konsumieren.

Wohnformen ohne Gemeinschaft – ein strukturelles Versäumnis

Der Wohnungsmarkt fördert teure Einzelwohnungen und Eigentumsblöcke, während gemeinschaftliche Wohnformen sträflich vernachlässigt werden. Neue, geförderte Gemeinschaftswohnungen und -häuser wären wichtiger denn je, doch sie gelten politisch nicht als prioritäre Aufgabe.

Es fehlen Anreize für genossenschaftliche Modelle, Mehrgenerationenhäuser und Co‑Living‑Projekte, die Gemeinschaft bereits im Grundriss verankern.

Vermieter ohne soziale Verantwortung

Ein weiteres massives Problem ist die Haltung vieler Vermieter. Wohnungen gelten als Renditeobjekte, Vermieter als reine Inkassostellen. Ihre einzige Pflicht scheint zu sein, dass die Miete pünktlich kommt.

Die soziale Verantwortung, stabile und lebendige Hausgemeinschaften zu ermöglichen, existiert praktisch nicht. Es fehlen Bewusstsein, Modelle und Verpflichtungen, die Vermieter in die Rolle von Gestaltern von Lebensraum bringen.

Parkgebühren als unsichtbarer sozialer Filter

Aggressive Parkgebühren verwandeln die Innenstadt in einen zahlungspflichtigen Club. Die ständige Sorge ums Ticket erstickt spontane Begegnungen. Wer von außerhalb kommt und nicht weiß, ob sich ein kurzer Besuch „lohnt“, bleibt oft gleich zu Hause.

Die Botschaft der Stadt lautet unfreiwillig: Deine Zeit hier kostet – buchstäblich.

Digitalisierung als Barriere statt Brücke

Es gibt Kurse zur Tablet‑Bedienung, aber kaum Angebote, wie man Technik konkret gegen Einsamkeit nutzen kann – etwa für Online‑Stammtische oder digitale Gemeinschaftsprojekte.

Der Verlust sinnstiftender Rollen

Mit dem Renteneintritt fallen Arbeit, Status und tägliche Gespräche weg. Rosenheim bietet zu wenig neue, wertgeschätzte Aufgaben für diese Lebensphase. Es fehlen Programme, die das Wissen und die Zeit Älterer einbinden – als Stadtführer, Museumserzähler oder Coaches für junge Familien.

Das Ergebnis: ein Vakuum, das Kaffee und Kuchen nicht füllen können.

Der Feind in meinem Bad

Oder: Warum unsere größte Angst unsere letzte Rettung sein könnte

Ich beginne mit einem Bild, das Sie vielleicht kennen. Ein Gefühl, das wir alle teilen: die Vorstellung, dass ein Fremder in unserem Bad steht. In diesem intimsten Raum, in dem wir uns verwundbar zeigen. Diese Vorstellung – sie wirkt wie ein Alptraum. Der Feind in meinem Bad.

Doch bleiben wir einen Moment bei diesem Bild. Bei dieser Angst. Denn genau hier liegt der Knoten, den wir lösen müssen, wenn wir über alternative Wohnformen sprechen.

Die bekannte Scheiße stinkt – aber sie ist vertraut

Warum leben so viele Menschen in viel zu großen Häusern, während andere kein Dach über dem Kopf haben? Warum halten wir an der Einsamkeit fest, obwohl wir die Lösungen längst kennen?

Senioren-WGs, Clusterwohnungen, Mehrgenerationenhäuser – die Konzepte existieren, die Broschüren liegen aus. Und doch bleibt die Hürde gigantisch. Sie trägt viele Namen:

  • Angst vor Kontrollverlust
  • Panik, in den eigenen vier Wänden dominiert zu werden
  • Trauer um den verstorbenen Lebenspartner, dessen Geist noch in jedem Raum wohnt
  • Oder schlicht unser grenzenloser Egoismus: „Hauptsache ICH. Meine Ruhe. Mein Territorium.“

Doch dann dürfen wir nicht jammern. Nicht über den teuren Gärtner. Nicht über die unbezahlbare Haushaltshilfe. Nicht über die Treppe, die immer steiler wird.

Das falsche Vertraute

Wir klammern uns an das Vertraute – auch wenn es uns einsam macht. Auch wenn es uns finanziell ruiniert. Auch wenn es bedeutet, allein zu altern.

Denn spätestens wenn sich die Tür des Altenheims öffnet, ist jedes bisschen Eigenständigkeit verloren. Dann herrscht der Stundenplan. Die Fremdbestimmung. Das Institutionelle.

Und trotzdem: Lieber das, als ein Fremder im Bad? Lieber absolute Kontrolle über ein leeres Reich, als geteilte Verantwortung in einem lebendigen Haus?

Die Angst-Blindheit

Hier liegt unser fundamentales Problem: In der Angst sind wir blind für die Rettung. Wenn die Sorge kommt, fixieren wir uns auf die Schatten. Wir zählen die Nachteile auf wie Perlen einer Bedenkenkette:

  • „Das könnte schiefgehen.“
  • „Das ist mir zu fremd.“
  • „Da ist ein Fremder in meinem Bad – ein Feind in meinem Bad!“

Vor lauter Schatten sehen wir das Licht nicht mehr. Wir erkennen nicht, was uns retten könnte.

Die verwandelte Perspektive

Stellen Sie sich die andere Seite vor:

Was, wenn der angebliche „Feind im Bad“ morgen der Freund in der Küche ist? Derjenige, der lacht, wenn man den Frühstückstisch deckt. Der die Semmeln schon geholt hat. Die helfende Hand, die da ist, wenn man selbst mal nicht so „beieinander“ ist.

Was, wenn aus dem Fremden im Bad der Mitgärtner wird, der uns die horrende Rechnung erspart? Der Mitfahrer im geteilten Auto? Der Gesprächspartner am gemeinsamen Abend?

Aus dem Feind im Bad wird der Freund fürs Leben. Aus unserer größten Angst wird unsere letzte Rettung.

Das bröckelnde Fundament

Wir können nicht weitermachen wie bisher. Wir können nicht alle, jeder für sich, alleine und einsam vor uns hinvegetieren.

Irgendwann bröckelt jedes Fundament: Kinder ziehen weg. Partner sterben. Freunde werden weniger.

Die traditionelle Familie – dieses Sicherheitsnetz, auf das Generationen vertrauten – hat Löcher bekommen.

Und dann? Dann sitzen wir wirklich allein. Mit unserem sauberen, leeren, stillen Bad. Mit perfekter Kontrolle über eine leere Burg.

Der Quantensprung

Es braucht einen bewussten Bruch. Eine Entscheidung, den Blick zu wenden: Vom Gewohnten, das uns einsam macht, hin zum Ungewohnten, das uns verbinden könnte.

Ja, es gibt Dinge zu regeln: Ernährung, Allergien, Rauchen, Ruhezeiten. Dafür gibt es Verträge. Dafür gibt es Moderation. Dafür gibt es die Möglichkeit, alles zu besprechen.

Die Frage ist nicht: „Passt alles perfekt?“ Sondern: „Bin ich bereit, lebendig zu sein?“

Die offene Tür

Wir haben die Wahl. Nicht morgen. Nicht erst, wenn die Krise unausweichlich ist. Sondern jetzt.

Wählen wir die bekannte Leere? Oder wagen wir das unbekannte, lebendige Voll‑Sein?

Die Entscheidung beginnt dort, wo unsere tiefste Angst wohnt: in der Vorstellung vom Fremden im eigenen Bad.

Vielleicht ist es an der Zeit, diese Tür zu öffnen. Vielleicht wartet dahinter nicht der Feind, sondern der Freund, den wir in unserer Einsamkeit so schmerzlich vermissen. Vielleicht wartet dort nicht das Ende unserer Selbstständigkeit, sondern der Anfang eines neuen, geteilten Lebens.

Es ist Zeit, das Badezimmer zu teilen, um die Welt zurückzugewinnen.

Denn am Ende geht es nicht darum, ob ein Fremder in unserem Bad steht. Sondern darum, ob wir bereit sind, aus einem Haus ein Zuhause zu machen – und aus Einsamkeit Gemeinschaft.

Veraltete Mietgesetze und neue Forderungen

Es wird Zeit für eine Mietrechtsreform

Für faire Kündigungsfristen und gegen die Angst vor Obdachlosigkeit

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt – besonders in teuren Regionen wie Oberbayern – ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis veralteter Gesetze, die das Machtungleichgewicht zwischen Vermietern und Mietern festschreiben. Während Vermieter in einem überhitzten Markt innerhalb weniger Stunden Dutzende Interessenten finden, kämpfen Mieter oft monatelang um eine neue Bleibe – stets begleitet von der Angst, doppelte Miete zahlen zu müssen oder im schlimmsten Fall obdachlos zu werden.

Diese Angst muss ein Ende haben. Es braucht dringend eine Reform, die den Schutz der Mieter endlich in den Mittelpunkt stellt.

Zentrale Forderung: Flexible und faire Kündigungsregeln für Mieter

Das aktuelle System mit seinen starren, mehrmonatigen Kündigungsfristen passt längst nicht mehr zur Realität. Es braucht eine Regelung, die verhindert, dass Menschen finanziell in den Ruin getrieben werden, nur weil sie eine neue Wohnung gefunden haben.

Die Vier‑Wochen‑Option bei Nachmietersuche

Wer eine neue Wohnung gefunden hat, muss sofort kündigen können. Findet der Mieter einen geeigneten Nachmieter, endet der Vertrag innerhalb von vier Wochen. So wird der Vermieter vor Leerstand geschützt – und der Mieter vor doppelter finanzieller Belastung.

Die Vier‑Wochen‑Garantie in Ballungsräumen

Wird innerhalb einer angemessenen Frist kein Nachmieter gefunden – was in leergefegten Märkten durchaus vorkommt –, soll in besonders teuren Regionen automatisch eine verkürzte Kündigungsfrist von vier Wochen gelten. In Gebieten, in denen eine Monatsmiete oft einem ganzen Gehalt entspricht, ist die Gefahr der Obdachlosigkeit real. Hier muss das Gesetz die Schwächeren schützen.

Eigenbedarf: Schutzvorkehrungen endlich wirksam machen

Die Eigenbedarfskündigung ist häufig ein stumpfes Schwert, das allzu leicht geschwungen wird. Dabei existieren längst Schutzmechanismen – sie werden jedoch in der Praxis oft ignoriert oder umgangen. Es ist höchste Zeit, diese Regeln konsequent durchzusetzen.

  • Die Sozialklausel ist kein Papiertiger: Führt der Auszug zu einer erheblichen sozialen Härte, ist er unzumutbar. Der Mieter muss seine Lage lediglich darlegen und dokumentieren.
  • Eigenbedarf nur für den engsten Familienkreis: Vermieter selbst, deren Kinder oder Eltern.
  • Pflicht zur Prüfung alternativer Wohnungen: Besitzt der Vermieter mehrere Wohnungen, muss er zuerst jede andere freie Möglichkeit nutzen, bevor er eine bewohnte Wohnung beansprucht.

Diese Regeln müssen streng kontrolliert und Verstöße wirksam sanktioniert werden.

Schluss mit pauschalen Haustierverboten – für mehr Menschlichkeit

Das generelle Verbot von Haustieren in Mietverträgen ist überholt und unmenschlich. Für viele Menschen sind Tiere keine Accessoires, sondern Familienmitglieder – oft der einzige Halt im Leben. Pauschale Verbote treiben Tiere ins Heim, und Vermieter, die solche Regeln aufstellen, tragen indirekt zu dieser Entwicklung bei.

Die Lösung ist pragmatisch:

  • Haustiere sind grundsätzlich erlaubt.
  • Der Mieter übernimmt Verantwortung, sorgt für eine Haftpflichtversicherung und stellt sicher, dass das Tier die Nachbarn nicht belästigt.
  • Nur bei nachweisbaren Störungen oder bei allergiegefährdeten Nachmietern kann ein Verbot ausgesprochen werden.
  • Vermieter, die weiterhin pauschal alle Tiere verbieten wollen, sollten sich an den Kosten der Tierheime beteiligen, die durch ihre Politik entstehen.

Fazit: Es geht um Würde – nicht nur um Paragraphen

Bei all diesen Forderungen geht es um mehr als Mietrecht. Es geht um die Würde und die grundlegende Sicherheit der Menschen. Niemand sollte Nacht für Nacht in der Angst leben müssen, seine Wohnung zu verlieren und keine neue zu finden. Niemand sollte zwischen seinem geliebten Tier und einem Dach über dem Kopf wählen müssen.

Gesetze sollen das Zusammenleben regeln und die Schwächeren schützen. In der aktuellen Wohnungsmarktkrise versagen sie in dieser Aufgabe. Es ist höchste Zeit für eine Reform, die ihren Namen verdient – eine Reform, die Machtverhältnisse ausgleicht und die reale Gefahr der Obdachlosigkeit endlich ernst nimmt.