Alles muss passen?
Der größte Feind der Wohngemeinschaft: Warum Perfektion Gemeinschaft verhindert
Alternative Wohngemeinschaften liegen im Trend – doch sobald das Thema aufkommt, tauchen immer die gleichen Sätze auf. „Es muss alles passen.“ Zimmergröße, Stadtteil, Badaufteilung, Küchenkonzept – alles soll exakt den eigenen Vorstellungen entsprechen. Die Suche nach der perfekten Passform wird zur obersten Priorität.
Doch was, wenn dieser Ansatz grundlegend falsch ist? Wer nur nach dem perfekten Match sucht, landet irgendwann vor der Tür des Altenpflegeheims – und muss dort jede Form von „Passen“ aufgeben. Dort passt es nicht, wer uns pflegt. Dort passt es nicht, wer mit uns im Zimmer ist. Die harte Wahrheit lautet: Das perfekte Passen existiert nicht.
Je stärker wir auf Perfektion achten, desto mehr fokussieren wir uns automatisch auf das, was nicht passt. Wir analysieren jedes Detail, jedes vermeintliche Manko – und sabotieren uns selbst. Der Traum von Gemeinschaft erstickt im Mikromanagement der eigenen Erwartungen.
Die wichtigste Grundlage für eine Wohngemeinschaft: die Bereitschaft, nicht zu passen
Eine funktionierende Wohngemeinschaft braucht vor allem eines: die Bereitschaft, sich einzulassen – ohne perfekt zu passen. Gemeinschaft lebt von Kompromissen, nicht von Checklisten.
• Es geht nicht darum, ob Bad und Toilette getrennt sind.
• Es geht nicht darum, ob ein bestimmter Raum exakt den eigenen Vorstellungen entspricht.
• Es geht darum, ob Menschen bereit sind, gemeinsam etwas entstehen zu lassen.
Ein Beispiel: die Suche in Rosenheim. Wenn wir sagen, wir suchen in Rosenheim, dann suchen wir in Rosenheim und im Umkreis. Es kann dann nicht heißen: „Das Haus muss aber große Karos haben und liegt drei Minuten zu weit von meinem Arbeitsweg entfernt.“
Die entscheidende Frage lautet:
Finden wir ein tragfähiges Objekt für eine Gemeinschaft?
Oft stehen wir uns mit der Haltung, dass alles passen muss, selbst im Weg.
Vom Objekt zur Gemeinschaft: Was wirklich zählt
Die entscheidende Verschiebung lautet: weg von „Was passt zu mir?“ hin zu „Was können wir gemeinsam daraus machen?“
Räumlichkeiten sind nur der Rohbau. Das echte Zuhause entsteht erst durch die Menschen, die es mit Leben, Absprachen und Energie füllen – selbst wenn der Grundriss nicht der Traumvorstellung entspricht.
Der Weg zu einer echten Wohngemeinschaft beginnt nicht mit einer Immobilien-Anfrage, sondern mit einer inneren Haltung.
Es ist die Haltung, die sagt: Ich bin bereit, mich überraschen zu lassen. Ich bin bereit, mit Menschen zu wohnen, die nicht meine Kopie sind. Ich bin bereit, das Wir vor das Ich zu stellen.
Erst wenn wir die Illusion des perfekten Passen aufgeben, entsteht Raum für das, was wirklich zählt: das Abenteuer, ein gemeinsames Zuhause zu erschaffen – nicht vorzufinden.