Warum wir dringend andere Vermieter brauchen.
Der Wohnungsmarkt verschärft Einsamkeit – und warum das ein Vermieterproblem ist
Der angespannte Wohnungsmarkt verstärkt soziale Isolation. Viele private Vermieter orientieren sich in erster Linie an der Gewinnmaximierung und vernachlässigen dabei Bedürfnisse wie gemeinschaftliches Wohnen oder langfristige Stabilität.
Dieser Beitrag zeigt, warum wir andere Vermieter brauchen – und welche Wege es gibt, ihr Verhalten zu verändern.
Warum wir andere Vermieter brauchen
Auf einem knappen Markt bekommt meist der Meistbietende die Wohnung. Private Vermieter verlangen im Durchschnitt höhere Mieten als gemeinwirtschaftliche Anbieter. Das trifft besonders Menschen mit geringem Einkommen und erschwert alternative Wohnformen.
Ein Rechtsexperte bringt es auf den Punkt: „Plakativ kann man sagen, dass der Kapitalismus an dieser Stelle versagt, denn im Sinne von Gewinnmaximierung kann man arme Bevölkerungsschichten nicht mit Wohnraum versorgen.“
Mietpreise nach Vermietertyp (Deutschland, 2022)
| Vermietertyp | Durchschnittsmiete €/m² |
|---|---|
| Private Vermieter (gesamt) | 7,2 |
| Privatperson(en) | 6,5 |
| Privatwirtschaftliches Wohnungsunternehmen | 7,7 |
| Gemeinwirtschaftliche Vermieter (gesamt) | 6,3 |
| Wohnungsgenossenschaft | 5,9 |
| Kommune/kommunales Unternehmen | 6,2 |
Gemeinwirtschaftliche Anbieter verfolgen nicht primär Profitziele. Sie können langfristig planen, sozialere Kriterien anwenden und damit stabilere Nachbarschaften ermöglichen.
Wie sich das Verhalten von Vermietern verändern lässt
Veränderung entsteht auf drei Ebenen: durch Politik, durch Recht – und durch die Mieter selbst.
Gemeinwirtschaftliche und soziale Anbieter stärken
Der wichtigste Hebel ist der Ausbau nicht-privater Wohnungsanbieter. Dafür braucht es politische Entscheidungen:
- Neue Gemeinnützigkeit: Das abgeschaffte Modell des gemeinnützigen Wohnungsbaus soll wiederbelebt werden.
- Kommunale Unternehmen stärken: Städte und Gemeinden sollten mehr eigenen, sozialgebundenen Wohnraum schaffen und erhalten.
- Soziale Träger fördern: Vereine und Organisationen können Wohnraum für besondere Zielgruppen bereitstellen – oft kombiniert mit Betreuung.
Rechtliche Rahmenbedingungen nutzen
Mieter haben Rechte, und Vermieter müssen sich an gesetzliche Vorgaben halten.
- Diskriminierung bekämpfen: Das AGG verbietet Benachteiligung bei der Wohnungsvergabe. Für Anbieter mit über 50 Wohnungen gelten besonders strenge Regeln.
- Kündigungsschutz kennen: Streitigkeiten oder kleine Zahlungsverspätungen rechtfertigen keine Kündigung. Auch bei einem Verkauf gilt: Kauf bricht nicht Miete.
- Beratung suchen: Mietervereine, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Fachanwälte unterstützen bei Konflikten.
Als Mieter*in selbst aktiv werden
- Gemeinschaft bilden: Austausch mit Nachbarn, Hausgemeinschaften oder Mietervereine stärken die eigene Position.
- Dokumentation pflegen: Mietvertrag, Schriftverkehr und Protokolle geordnet sammeln.
- Professionell auftreten: Vollständige Unterlagen und klare Kommunikation erhöhen die Chancen bei der Wohnungssuche.
Fazit: Wir brauchen Vermieter mit sozialem Gewissen
Um Einsamkeit und soziale Spaltung zu verringern, braucht es einen Wandel weg vom rein profitorientierten Wohnungsmarkt. Der Ausbau gemeinwirtschaftlicher Anbieter – Genossenschaften, Kommunen, soziale Träger – ist dabei der wirksamste Hebel.
Gleichzeitig können Mieter ihre Rechte nutzen, sich organisieren und so aktiv dazu beitragen, dass Wohnen wieder ein soziales Gut wird.